Seminar „Die Kunst des Vergebens“

mit Dr. Arnold Retzer, 25.-27.03.2022

© Bild: Süleyman Kayaalp, Illustration: Katharina Middendorf

Inhalt

"Im Leben sind wir unvermeidlich dem Erleiden von Unglück ausgesetzt, das wir oft als erlittenes Unrecht erleben, besonders dann, wenn wir nicht Unrecht und Unglück, sondern Recht oder vielleicht sogar Glück erwarten. Die Folge ist, dass wir uns dem erlittenen unverzeihlichen Unrecht meist hilflos ausgeliefert fühlen.

Dabei haben wir auch hier (zumindest prinzipiell) Optionen:

Wir können weiterhin auf Recht, Gerechtigkeit und Ausgleich hoffen und dafür auf die Methode der Zurückzahlung von Schuld und Schulden setzen oder auch auf die weniger populäre Methode der Vergebung, die eben gerade nicht auf Recht, Ausgleich und Gerechtigkeit setzt." (Arnold Retzer)

Aber wie geht das? Und vor allem langfristig? Schnell werden große Worte wie "Vergebung" ausgesprochen, während im inneren noch der oder die Richter*in oder Henker*in tobt? Und wie vermittelt man diesen Ansatz den Klient*innen, die noch an Wiedergutmachung glauben?

Kurzinterview mit Arnold Retzer

3 Fragen rund um den Akt oder Nicht-Akt der Vergebung

1. Warum kann Vergebung eine gute Idee sein?

Arnold Retzer: "Vergebung kann entlasten, vielleicht sogar befreien, von einer einengenden Vergangenheit, der angestrengten Aufrechterhaltung von Hoffnung und dem aufreibenden Kampf um Gerechtigkeit."

2. Wann kann Vergebung eine schlechte Idee sein?

Arnold Retzer: "Wenn man sich dazu zwingen muss, von anderen oder sich selbst und wenn man glaubt, das Vergeben wird einem selbst bzw. der erfahrenen eigenen Geschichte nicht gerecht."

3. Wann macht Vergebung keinen Unterschied?

Arnold Retzer: "Wenn das Vergeben keine autonome Entscheidung des/der Vergebenden ist, sondern ein bedeutungsleeres Ritual, ein leerer sozialer Akt der sozialen Konvention, der mit dem/der Vergebenden nichts zu tun hat."

Referent

PD Dr.med. Dipl.-Psych. Arnold Retzer ist einer der führenden Paartherapeuten im deutschsprachigen Raum. Als Mitglied der Heidelberger Gruppe in den 80 und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist er seit über 30 Jahren aktiv an der Entwicklung und Anwendung systemischer Konzepte und Methoden beteiligt. Als Fachbuchautor – unter anderem des Standardwerks „Systemische Paartherapie“ – und Lehrtherapeut begleitete er seit Jahrzehnten die Ausbildung vieler systemischer Therapeut*innen und Berate*innen. Über seine zahlreichen Medienauftritten und seine letzten Bücher, die zu Bestsellern wurden, erreicht er inzwischen aber auch ein Millionenpublikum. Er ist Arzt, Psychologe und Privatdozent für Psychotherapie an der Universität Heidelberg. Arnold Retzer ist außerdem Gründer und Leiter des Systemischen Instituts Heidelberg (www.si-hd.de).

Arnold Retzers Webseite: www.arnretzer.de

FAQ

Für wen ist das Seminar? Ist das Seminar für mich geeignet?

  • Für Therapeut*innen/Berater*innen: Das Thema Vergeben spielt u.a. eine Rolle bei der Behandlung von Depression und Burnout. Auch in Kontexten der Paar- und Sexualtherapie kann das Seminar einen anderen Blick, eine andere Herangehensweise als das Übliche ermöglichen.
  • Für Betroffene: Es ist möglich einen vielleicht neuen Blick auf die eigene Situation zu werfen, ohne dabei selbst im Mittelpunkt zu stehen, d.h. in einem therapeutischen Kontext zu sein, was meist schon einen oft nützlichen Unterschied macht.
  • Für an systemischer Therapie Interessierte: Das Seminar orientiert sich konsequent an den von Arnold Retzer entwickelten systemischen Konzepten und Methoden und kann so auch ein Gewinn für an diesen Themen Interessierte sein.

Wie verteilen sich die Anteile von Theorie und Praxis?

Das Seminar wird eine Mischung sein von konzeptuellen Überlegungen und Begründungen, von Übungen zur therapeutischen Vorgehensweise und zur konzeptuellen Plausibilisierung, zu Fallbeispielen aus der Praxis des Seminarleiters und des Austausches mit den Teilnehmer*innen in etwa gleichen Anteilen.

Aktuelle Veröffentlichungen

Lob der Vernunftehe. Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe (S. Fischer Verlag, 2011)
Miese Stimmung. Eine Streitschrift gegen positives Denken (S. Fischer Verlag, 2013)

Seminarzeiten & Ort

Fr. 25. März 2022: 15:00 - 18:00 Uhr
Sa. 26. März 2022: 9:30 - 13:00 Uhr, 15:00 - 18:00 Uhr
So. 27. März 2022: 9:00 - 13:00 Uhr

Praxis Middendorf-Sturm, Riemeisterstraße 114, 14169 Berlin

Kosten

Preis: 390 € Frühbucher (bis 31. Dezember 2021)
440 € regulär

Anmeldung

Annett Schpeniuk, as@nivata.de